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SWIFT ist Doppelsieger bei Österreichs Big Brother Awards

SWIFT-Manager Günther Gall von der Raiffeisen Zentralbank hat Mittwochabend gleich zwei österreichische Big Brother Awards bekommen. Die jahrelange Deckung der illegalen Datenweitergabe über 100 Millionen Überweisungen an den US-Geheimdienst CIA brachte ihm den Preis der Jury in der Kategorie Business & Finanzen ein. Außerdem entfielen in der Volkswahl die meisten Stimmen auf das SWIFT-Aufsichtsratsmitglied. Das Überweisungssystem hatte bereits fünf Tage zuvor einen deutschen Big Brother Award eingesackt.

Unter dem Motto "Land der Spanner" hatten die Veranstalter vibe.at, LUGA und quintessenz zur Verleihung der achten österreichischen Big Brother Awards geladen. Mit den Negativ-Preisen sollen jene ins Rampenlicht gestellt werden, die "Menschen überwachen, bevormunden oder mundtot machen wollen". Schauplatz der Gala war am Vorabend des österreichischen Nationalfeiertags das Wiener Theater im Rabenhof.

Seit 2003 wird mit dem "Defensor Libertatis" auch ein Positivpreis an Verteidiger der Bürgerrechte und der Freiheit verliehen. Diese Auszeichnung wurde diesmal Hans Zeger überreicht. Er ist Obmann der ARGE Daten, die 1983 als eine der ersten Datenschutzorganisationen Österreichs gegründet wurde. Seither setzt sich Zeger für Datenschutz, aber auch für die Aufklärung über Geschäftemacherei mit Daten und Überwachungsmaßnahmen ein.

Erstmals wurde mit dem Pro Stupiditate ein Sonderpreis für besonders idiotische Überwachungsmethoden vergeben. Brigitte Ederer, Chefin von Siemens Österreich und ehemalige SPÖ-Politikerin, wurde die "Ehre" zuteil. Das österreichische "Biometrie-Kompetenzzentrum" des Konzerns propagiert den Einsatz von Biometrie in allen Lebensbereichen. Sogar Getränkeautomaten lassen sich bei Siemens nicht mehr ohne Fingerabdruck bedienen. Ihre Rechtfertigung, Siemens wollte damit nur "informieren", war für die Jury die "Dümmste Ausrede" des Jahres.

Der Negativ-Preis in der Sparte Politik wurde Innenministerin Liese Prokop (ÖVP) zuerkannt. Insbesondere im zurückliegenden Nationalrats-Wahlkampf tourte Prokop durch Österreich und "eröffnete" zahlreiche Videoüberwachungsanlagen. "Von Bruck an der Mur über Graz, Innsbruck, Linz, Mödling, Salzburg, Villach und Wiener Neustadt ging die Tour nach Wien, wo gleich an drei verschiedenen Orten eröffnet wurde", heißt es in der Begründung der Jury. Außerdem habe die Ministerin für 150.000 Euro drei automatische Kennzeichenlesegeräte für Rasterfahndung auf Autobahnen anschaffen lassen.

In der Kategorie Behörden & Verwaltung wurde der Big Brother Award dem EDV-Leiter der BHAK Grazbachgasse, Johann Janisch, zugeteilt. Die Grazer Schule wurde als eine der ersten in Österreich mit einer Smart-Card-Lösung von Microsoft ausgestattet. Die RFID-Chips dienen als Ausweis, Schlüssel und Zahlungsmittel zugleich. "Unter automatischer Kontrolle der EDV (...) stehen von Essensgewohnheiten bis zu den Bewegungen der Schüler im Gebäude so gut wie alle Interaktionen", lautet die Erläuterung.

Als einzige nominierte Einrichtung hatte sich die BHAK im Vorfeld der Preisverleihung mit einer Stellungnahme zu Wort gemeldet. Direktor Hans Wilding verteidigte seine "innovative und leistungsorientierte Schule". "Wir werden intern und mit externen Partnern Mittel und Wege finden, weitere Kontrollkreisläufe einzuziehen, die jeglichen Missbrauch bzw. die Einschränkung der Privatsphäre unserer Schüler und Lehrer hintan zu halten in der Lage sind."

Chris Hibbert von Walt Disney TV International obsiegte im Bereich Kommunikation aufgrund seiner Leistungen für die "totale Entmündigung des Konsumenten". Unter seiner Ägide "erstellt die Arbeitsgruppe des DVB-Industriekonsortiums unter dem Titel 'DVB Content Protection & Copy Management' einen Standard für Digital Video Broadcasting. Zukünftige digitale Fernsehrekorder werden nur unter den Bedingungen aufzeichnen (und wiedergeben) können, die der Sender festlegt". Umgekehrt sollen nur noch Geräte die Signale auswerten können, die sich auch an die Regeln des Content-Verkäufers halten.

Für sein Lebenswerk wurde der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider (BZÖ) mit einem Big Brother Award bedacht. Er trample seit 30 Jahren auf den Rechten der slowenischen Minderheit in Kärnten herum. "Mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen wird diese Volksgruppe, die nur ihr verfassungsmäßig garantiertes Recht eingefordert hat, ihren Heimatort auch mit ihrem eigenen Namen auf Slowenisch zu benennen, öffentlich gedemütigt und verhöhnt." Ein einmaliger Tiefpunkt sei während des Nationalrats-Wahlkampfes erreicht worden, als Haider "öffentlich verkündete, ihre Sprache werde schlichtweg abgeschafft: 'Kärnten wird einsprachig.'"

Die Liste aller Nominierten samt Begründungen ist online abrufbar. Die Verleihung der Schweizer Big Brother Awards findet am 16. November in Basel statt.

Daniel AJ Sokolov

Heise Online, Hannover, 26. Oktober 2006
Original: http://www.heise.de/newsticker/meldung/80054

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