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Microsoft: Von der Datenkrake zum Musterschüler

Konzern will Internetsuche anonymisieren

Der Computerkonzern Microsoft kündigt heute, Montag, die Umsetzung strengerer Datenschutzrichtlinien bei der Internetsuche und -werbung an. Sucheingaben über Microsofts Live Search sollen demnach maximal 18 Monate gespeichert werden. Darüber hinaus will sich der mehrmalige Preisträger des Big Brother Awards Deutschland an die Speerspitze datenschutzfreundlicher Konzerne schwingen. So ruft der Konzern die Industrie und Datenschützer dazu auf, gemeinsam Prinzipien für die Praxis auszuarbeiten, die weltweit gelten sollen.

"Die Bemühungen gehen in die richtige Richtung", sagt Thilo Weichert, unabhängiger Datenschutzbeauftragter in Schleswig-Holstein https://www.datenschutzzentrum.de, gegenüber pressetext. Allerdings sei abzuwarten, wie und ob die Willensbekundung technisch umgesetzt werde, betont Weichert. Microsoft setzt sich schon seit einiger Zeit für die gesetzliche Umsetzung von Datenschutzstandards bei der Internetsuche ein. "Das Problem von Microsoft ist, dass sich der Firmensitz in einem Land befindet, das so gut wie keine Datenschutzgesetzgebung hat. Microsoft setzt sich daher eigenständig für Datenschutzrichtlinien ein, die auch in Europa vorzeigbar sein sollen", erklärt Weichert. Die von Microsoft präsentierten Datenschutzprinzipien findet Weichert an sich gut und begrüßenswert.

Für padeluun, Vorsitzender der Organisation FoeBud e.V., die den Big Brother Award verleiht, geht das nicht weit genug. "Nur Nicht-Speichern ist Datenschutz", so padeluun, der einen Künstlernamen verwendet, gegenüber pressetext. Er empfiehlt Internetnutzern die Verwendung des Tor-Netzwerks http://tor.eff.org , das Internetsurfen anonymisiert. Microsofts Bemühungen scheinen wohl auch eine Reaktion auf die mehrmalige Verleihung des Big Brother Awards zu sein, wie padeluun im pressetext-Gespräch meint.

Hinter Microsofts neuer Politik in Sachen Datenschutz könnten aber auch wirtschaftliche Ziele stehen. Sollten sich in den USA tatsächlich ernstzunehmende Datenschutzgesetze oder Richtlinien durchsetzen, hätten vor allem die Marktführer Google und Yahoo viel zu verlieren. In den USA hat Google einen Marktanteil von nahezu 50 Prozent, während nur 13,2 Prozent aller US-Nutzer über Microsoft im Internet suchen. Hingegen verfügen Microsoft und Ask, das vergangene Woche ein Erasertool zur Verwischung von Surfspuren ankündigte (pressetext berichtete: http://www.pte.at/pte.mc?pte=070720017 ), über weit weniger Daten über das Suchverhalten. Yahoo begibt sich auf ähnliche Pfade und soll diese Woche seine neuen Pläne zur Datenschutzstrategie präsentieren. Suchdaten, die für den Einsatz von gezielter Werbung essenziell sind, sollen innerhalb von 13 Monaten anonymisiert werden, berichtet das Wall Street Journal.

Linda Osusky

Pressetext Austria, Wien, Österreich, 23. Juli 2007
Original: http://www.pte.at/pte.mc?pte=070723010

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