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Angriff auf Kinderhilfe

Streitpunkt Internetsperren

Hacker haben die Webseite der Deutschen Kinderhilfe lahmgelegt. Der Verein steht nicht nur wegen seiner Unterstützung von Internetsperren in der Kritik.

Es dürfte kein angenehmes Wochenende für die Mitarbeiter des Vereins Deutsche Kinderhilfe gewesen sein. Herbe Kritik in zahlreichen Blogs und Foren an den Arbeitsmethoden, Zielen und der Rhetorik des Vereins gipfelte in einem erfolgreichen Hackerangriff auf die Webseite des Vereins.

Die Kinderhilfe steht insbesondere wegen ihrer Unterstützung für die von Familienministerin Ursula von der Leyen geplanten Internetsperren in der Kritik. Der Verein hat als Antwort auf eine erfolgreiche Online-Petition, die sich gegen die Sperren richtet, eine Unterstützerkampagne für die umstrittene Gesetzesinitiative gestartet.

Allerdings ist der Verein schon seit längerem umstritten. Immer wieder wurde in Presseberichten und Internetforen angedeutet, dass bei dem Verein mit dem offiziell klingenden Namen Spenden nicht korrekt verbucht würden und unter dem Image der Wohltätigkeit kommerzielle Interessen bedient würden. Im Jahr 2008 hatte der Deutsche Spendenrat den Verein ausgeschlossen.

Nachdem der Verein zur Förderung des öffentlichen bewegten und unbewegten Datenverkehrs (Foebud e.V.), der sich vor allem gegen Zensur und Überwachung einsetzt, am Donnerstag eine eigene Infoseite zur Deutschen Kinderhilfe online gestellt hatte, nahm die Kritik an dem Verein im Netz stark zu. Die Foebud-Autoren kritisierten nicht nur die Unterstützerkampagne für die Internetsperren, sondern verwiesen auch erneut auf die alten Kritikpunkte an dem Verein Deutsche Kinderhilfe.

Am Samstagvormittag oder bereits in der Nacht auf Samstag wurde dann schließlich von Unbekannten die Webseite der Kinderhilfe gehackt. (Screenshot hier).

Anstelle der Vereins-Kampagnen und Infomaterial fanden Interessierte plötzlich folgenden Text auf der Webseite: "Die Deutsche Kinderhilfe ist die nationale Kinderhilfsorganisation, die wegen dubioser Machenschaften 2008 aus dem Spendenrat geworfen wurde. Momentan engagiert sie sich wegen des großen Presserummels aktiv gegen die äußerst erfolgreiche Online Petition gegen Internetzensur." Sowohl die Domain dkhd.de als auch kinderhilfe.de waren von dem Hack betroffen. In einem zweiten Schritt wurde die Seite komplett abgeschaltet.

Als ironischen Kommentar stellten die Hacker auch eine Todesanzeige auf die Seite der Kinderhilfe, in der um Artikel 5 des Grundgesetzes getrauert wird: "Eine Zensur findet nicht statt."

Der Vorsitzende des Kinderhilfe-Vereins, Georg Ehrmann, verurteilt den Hackerangriff als "Schmutzkampagne". Er will Strafanzeige gegen Unbekannt stellen und hofft, dass mit Zugriffsdaten, die sein Provider gesichert haben will, die Täter ermittelt werden können. Derzeit ist die Seite noch immer offline. Man wolle aber bis Montag Mittag wieder erreichbar sein, sagte Ehrmann.

"Das Internet ist für unsere Kampagne sehr wichtig", erklärte Ehrmann. Die Unterstützerliste für die Internetsperren werde Unterschriftensammlern direkt von der Webseite der Kinderhilfe geladen. Dass dies nicht mehr funktioniere sei sehr bedauerlich. Ehrmann forderte, die Kritik am Geschäftsgebahren seines Vereins nicht mit der aktuellen Kampagne für die Internetsperren zu vermischen.

Johannes Boie

sueddeutsche.de, München, 18. Mai 2009
Original: http://www.sueddeutsche.de/computer/378/468939/text/

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